Zeug nisse einer faszinierenden Architektur
Die Römer hielten sich hier etwas länger auf. Bistümer entwickelten sich. Die Herzöge von Lothringen liebten Kunst und Architektur. Einer von ihnen, Stanislaus, war sogar König – und ein großer Baumeister. Wie später der deutsche Kaiser Wilhelm nach der Annexion Lothringens.
Diese Region, die von den Fluten der Kriege erfasst und von den schöpferischen Strömungen beeinflusst wurde, war es sich schuldig, dem Genie der Erbauer freien Lauf zu lassen. An ersten Zeichen dieser Kreativität, den Überresten aus galloromanischer Zeit, herrscht kein Mangel.
Doch dieser Elan sollte auch später nicht nachlassen. Als Beweis dafür genügt ein Blick in die Karte der lothringischen Schlösser. Das Schloss von Lunéville, das nach einem verheerenden Brand jetzt wieder restauriert wird, ist das prächtigste von ihnen. Es gibt jedoch noch andere, die man gesehen haben sollte: die Schlösser Haroué und Fléville-devant-Nancy, das für seine Gärten berühmte Schloss Gerbéviller, Commercy im Departement Meuse, Cons-la-Grandville, ein schönes Beispiel für die Renaissancearchitektur, das Château de la Grange (in der Nähe von Thionville) mit seiner eleganten Fassade, oder Saint-Sixte im Departement Moselle und Hattonchâtel im Departement Meuse.
Manche knüpften nach ihrer Restaurierung sogar wieder an die mittelalterliche Prachtentfaltung an, etwa das Schloss Malbrouck in Manderen an der Grenze Frankreichs zu Deutschland und Luxemburg. Manchmal schmiegen sich auch ältere Bauwerke in die Landschaft, wie Saint-Baslemont oder Jaulny. Lothringen hatte Glück im Unglück: es musste zwar Julius Cäsar, Karl den Kühnen, Kaiser Karl V. und Ludwig XIII. erdulden, besitzt dafür aber eine Vielfalt an Stilen in den steinernen Zeugnissen seiner Vergangenheit. In der Architektur zeigt sich auch die Mannigfaltigkeit der Gattungen und Epochen.
Die Renaissance hat sich in Lothringen in dieser Hinsicht prächtig entwickelt.
Die einheitliche Bausubstanz der Oberstadt von Bar-le-Duc ist eine der bedeutendsten ihrer Art in ganz Frankreich. Saint-Mihiel hat hier ebenfalls einiges zu bieten („Maison du Roi“...). Die Dörfer Châtillon-sur-Saône, das weitgehend restauriert wurde, und Marville bereichern dieses Kulturerbe. Nancy wiederum besitzt eine ein-zigartige Bausubstanz aus dem 18. Jahrhundert, die wir Emmanuel Héréverdanken, aber auch einige Schätze des Jugendstils.
Le Corbusier war dagegen in Briey am Werk (La Cité radieuse).
Der Geschichte von Metz begegnen wir in der Kathedrale Saint Etienne, einem Meisterwerk der Gotik, seinen Plätzen – der mit-telalterlichen Place Saint Louis und der Place de la Comédie mit ihrem Theater aus dem 18. Jahrhundert, dem Stadttor „Porte des Allemands“, der Templerkapelle und dem in der Zeit des Deutschen Kaiserreichs erbauten Bahnhofsviertel